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23.08.2022: Baumschutzverordnung – größere Bäume künftig besonders geschützt

Baumschutzverordnung: Größere Bäume in Dachau sind besonders geschützt

Ab Anfang September gilt im Stadtgebiet Dachau eine neue Baumschutzverordnung – dies hat der Stadtrat in seiner Sitzung Anfang Juli beschlossen. Neben dem allgemeinen Baumschutz wird insbesondere auch der Baumschutz bei Bauvorhaben deutlicher geregelt.

Außerdem sorgen die in der Baumschutzverordnung festgeschriebenen Ersatzpflanzungen dafür, dass gefällte Bäume nachgepflanzt werden, um den für Artenvielfalt, Luftqualität und Stadtklima so wichtigen Grünbestand in Dachau zu erhalten.

  • Welche Grundlagen hat die Baumschutzverordnung? Sie orientiert sich an den Baumschutzverordnungen mehrerer Städte wie Augsburg, Freising, Memmingen, München und Regensburg. Außerdem dient die Muster-Baumschutzverordnung der Gartenamtsleiterkonferenz im Auftrag des Deutschen Städtetages als Basis. Zusätzlich hat die Kreisgruppe München des BUND Naturschutz die Dachauer Stadtverwaltung beraten.
  • Welche Bäume sind geschützt? Zu erhalten sind Bäume ab einem Stammumfang von 100 cm (entspricht einen Durchmesser von knapp 32 cm, in einem Meter Höhe gemessen). Damit sind Bäume ab einem Alter zwischen 30 bis 50 Jahren geschützt – schnellwüchsige Arten wie Birke, Erle oder Silber-Weide etwas früher, langsamwüchsige wie Buchen, Eichen und Linden etwas später. Bei mehrstämmigen Bäumen gilt ein Schutz dann, wenn wenigstens ein Stamm einen Umfang von mindestens 80 cm in einer Höhe von 100 cm über dem Erdboden aufweist. Ausgenommen sind einige Nadelbäume, da sie entweder nur einen geringen ökologischen Wert haben oder wegen ihrer mangelhaften Klimaanpassungsfähigkeit für die Innenstadtbereiche ohnehin ungeeignet sind.
  • Wo und für wen gilt die Verordnung? Der Geltungsbereich umfasst alle Flächen innerhalb der rechtskräftigen Bebauungspläne sowie der im Zusammenhang bebauten Ortsteile im gesamten Stadtgebiet. Der planungsrechtliche Außenbereich ist von der Verordnung nicht betroffen. Natürlich gelten für die Stadtverwaltung dieselben Anforderungen des Baumschutzes wie für die Bürgerinnen und Bürger. Übrigens: Die Abteilung Stadtgrün und Umwelt hat schon bislang für jeden gefällten Baum mindestens einen neuen Baum gepflanzt und Baumfällungen nur in begründeten Fällen ausgeführt.
  • Was ist künftig verboten? Neben dem Entfernen geschützter Bäume ohne Genehmigung seitens der Stadt ist auch deren Schädigung verboten – also beispielsweise Einwirkungen auf den Kronenraum und den Wurzelbereich. Eine solche Ordnungswidrigkeit kann mit einer fünfstelligen Geldbuße belegt werden. Bei einer Schädigung eines Baumes sind baumpflegerische Maßnahmen durchzuführen und eine Entschädigungszahlung zu leisten.
  • Gibt es Ausnahmen? Ausnahmen gelten für überwiegend abgestorbene oder kranke Bäume, ebenso ist die Entnahme einzelner Bäume eines größeren Bestandes zur Vermeidung von Konkurrenzen und Fehlwuchs gestattet. Baurecht geht vor Baumschutz, allerdings sind zumutbare Veränderungen des Vorhabens zu prüfen und umzusetzen, wenn dadurch Bäume erhalten werden können (z. B. bei Zufahrten). Kleingartenanlagen wiederum sind im Bundeskleingartengesetz geregelt, für Wald gilt das Bayerische Waldgesetz, Gärtnereien und Baumschulen sind von der Verordnung ebenfalls ausgenommen. Fachgerechte Schnittmaßnahmen nach den anerkannten Regeln der Technik benötigen selbstverständlich keine Genehmigung.
  • Wie sieht das Genehmigungsverfahren aus? Das Entfernen oder Schädigen geschützter Bäume kann durch die Stadt genehmigt werden. Bitte halten Sie für Ihren Antrag Informationen zu Baumart, Stammumfang und Baumstandort sowie ein aussagekräftiges Foto des Baumes bereit. Um den Baumschutz bei Bauanträgen oder Anträgen zu Bauvorbescheiden überprüfen zu können, sind weitergehende Informationen einzureichen: Neben den betroffenen Bäumen auf dem Baugrundstück sind auch betroffene Bäume auf dem Nachbargrundstück oder im öffentlichen Raum (Zufahrten) darzustellen. Außerdem werden Angaben zu Baumart, Stammumfang, Baumstandort, Kronentraufe, Schutzmaßnahmen für Bäume und Ersatzpflanzungen benötigt. Die Stadt kann zusätzlich Gutachten und weitere zur Beurteilung erforderliche Unterlagen verlangen. Vor Ort werden die Bäume durch das Sachgebiet Stadtgrün und Umwelt überprüft; den Bescheid stellt die Abteilung Bauordnung aus.
  • Bitte beachten Sie: Allgemein sind Baumfällungen – nach Vorgabe des Bundesnaturschutzgesetzes – nur im jährlichen Zeitraum vom 1. Oktober bis 28. Februar möglich.
  • Was bedeutet „ökologischer Ausgleich“? Ist eine Baumfällung unabdingbar und liegt eine Genehmigung dafür vor, so ist durch den jeweiligen Grundstückseigentümer ein ökologischer Ausgleich zu leisten – und zwar vorrangig durch bis zu drei Ersatzpflanzungen. Anzahl und Größe der Ersatzpflanzungen regelt die Baumschutzverordnung, ebenso enthält sie eine Liste standortgerechter und stadtklimaverträglicher Baumarten. Nur wenn die Ersatzpflanzung ganz oder teilweise unmöglich ist, kann eine Ausgleichszahlung akzeptiert werden; eingenommene Gelder verwendet die Stadt zweckgebunden für Neupflanzungen sowie für Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen von Bäumen.

Die gesamte Baumschutzverordnung finden Sie hier zum Download.