Stolpersteine

Stolpersteine

Kopfsteinpflaster mit Stolperstein in Dachau mit Rose
Stolpersteine in Dachau, Foto: Stadt Dachau

Seit November 2005 sind in Dachau fünfzehn sogenannte "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig verlegt worden.

Die Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln aus Messing, die der Künstler zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Opfer der NS-Zeit vor deren letzten selbstgewählten Wohnort in das Trottoir einlässt. Gedacht wird dabei aller Menschen, die unter dem nationalsozialistischen Regime leiden mussten: Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgter, religiös Verfolgter, Zeugen Jehovas, Homosexueller, geistig und/oder körperlich behinderten Menschen, Zwangsarbeiter und Desserteure.

In Dachau gibt es für dieses Projekt einen eigenen Arbeitskreis Stolpersteine der Stadt Dachau, der die Verlegung vorbereitet. Diesem gehören das Dachauer Forum, die Evangelische Versöhnungskirche und der Zeitgeschichtsreferent Richard Seidl an.

Gunter Demnig:
"Um den Stein lesen zu können, muss man sich vor dem Opfer verbeugen"

Bleisteiner, Thomas

Stolperstein in Gedenken an Thomas Bleisteiner
Stolperstein Thomas Bleisteiner, Foto: Stadt Dachau

Der am 22. September 1908 unehelich geborene Thomas Bleisteiner wurde nach der Heirat der Mutter von seinem Stiefvater abgelehnt und misshandelt.

Früh musste er zum Familieneinkommen beitragen und wechselte aufgrund der wirtschaftlichen Lage in den 1920er Jahren und seiner psychischen Labilität oft den Arbeitsplatz. Im März 1933 wurde er verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis festgehalten.

Im Juni wurde er dann ins KZ Dachau eingewiesen, wo er bis Dezember 1933 blieb. Diebstahlsvorwürfe und Verlust des Arbeitsplatzes führten 1936 zum Aufenthalt in einem Arbeitshaus.

Auf Grund der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ wurde Thomas Bleisteiner 1938 ins KZ Buchenwald gebracht und von dort 1940 ins KZ Mauthausen deportiert. Durch die dort herrschenden unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Steinbruch verlor er nach wenigen Wochen sein Leben.

Er starb am 16. April 1940.

Nach oben

Dölfel, Alwine

Foto von Verlegung des Stolpersteins in Gedenken an Alwine Dölfel mit Künstler Gunter Demnig und Nachfahrin von Frau Dölfel
Verlegung des Stolpersteins in Gedenken an Alwine Dölfel, Foto: Stadt Dachau

Nach einer Impfung erkrankte die am 19. Juni 1931 geborene Alwine Dölfel. Sie konnte plötzlich nicht mehr laufen, sitzen und sprechen. Das damals vierjährige Mädchen wurde in das Kinderhaus der psychiatrischen Anstalt Eglfing-Haar gebracht. Die behandelten Ärzte stellten Defizite in der Entwicklung fest und bezeichneten das Kind als „blöd“.

Entlassen im Dezember 1938, sah sich die Familie bald von der Pflege des behinderten Mädchens überfordert. Sie hatte zwei jüngere Schwestern und die Eltern entschieden, sie in die Pflegeanstalt Schönbrunn zu bringen. Die Familie besuchte sie dort jeden Sonntag. Um Platz zu schaffen für eine anderweitige Nutzung der Anstalt, wurden Pfleglinge aus Schönbrunn weggebracht, darunter auch Alwine.

Sie wurde im Juni 1944 erneut in die „Kinderfachabteilung“ der Heilanstalt Eglfing-Haar verlegt. Als „... hochgradig pflegebedürftiges idiotisches Kind…“ wie ein Stationsarzt dort notierte, wurde der 13-Jährigen eine Überdosis Luminal verabreicht und sie starb am 1. Oktober 1944. Die Ermordung wurde als Lungenentzündung getarnt.

Nach oben

Eisenmann, Johann

Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteins in Dachau, Foto: Stadt Dachau
Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteins in Dachau, Foto: Stadt Dachau

Der ledige, am 22. August 1909 als Sohn des Zimmermanns Martin Eisenmann und seiner Frau Maria geborene Stichlmeir, Johann Eisenmann verdiente seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter. Er schloss sich dem Kreis der Dachauer Kommunisten an und wurde bei einer Verhaftungsaktion am 22. März 1933 in Schutzhaft genommen. Laut seiner Gefängnisakte litt er an einer Grippe und Blutvergiftung. Er starb im Gefängnis München-Stadelheim am 3. April 1933 unter bis heute ungeklärten Umständen.

Nach oben

Felber, Anton

Anton Felber, geboren am 7. Mai 1902, musste mit neun Jahren den Tod des Vaters hinnehmen was für den Jungen wohl ein schwerer Verlust war. Er lebte mit seiner Mutter und Schwester in großer Armut. Als Jugendlicher kam er mehrfach in Konflikt mit der Polizei. Es folgte die Einweisung in die Besserungsanstalt Rothenfeld, aus der er zwei Fluchtversuche unternahm. Während mehrerer Aufenthalte in Haftanstalten, verurteilt wegen Diebstahls und Bettelns, erlernte er das Handwerk des Korbmachens. Nach einer weiteren Zuchthausstrafe im Jahr 1937 wurde er im Dezember 1938 „als Berufsverbrecher… in vorbeugende Polizeihaft“ genommen und ins KZ Dachau gebracht.

Im Februar 1939 überstellte man ihn in das KZ Flossenbürg. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im dortigen Steinbruch überstand er nur acht Monate und starb am 20. Oktober 1939.

Nach oben

Kohn, Julius

Der am 2. Februar 1886 in Rosenheim geborene Buchhalter Julius Kohn zog im März 1927 nach Dachau. Er wohnte als Untermieter im Keller des Hauses der Familie Neumeyer in der Hindenburgstraße 10 und wurde zum Freund. In der Familie bekam er den Spitznamen Onki. Zeitweise arbeitete Julius Kohn als Angestellter im Dachauer Rathaus. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er dort wahrscheinlich entlassen. Näheres ist nicht bekannt.

Im Hause Neumeyer wurden Theaterstücke inszeniert und aufgeführt. Bei einem dieser Theaterabende im Januar 1938 stürmten SS-Männer das Haus und beschimpften das anwesende Publikum. Julius Kohn wurde für zwei Wochen inhaftiert. In der Reichspogromnacht wusste er nach der Vertreibung aus Dachau nicht wohin. Vom 11. November bis zum 6. Dezember 1938 wurde er im KZ Dachau festgesetzt. Er konvertierte zum katholischen Glauben. Danach lebte er in München in verschiedenen Unterkünften. Am 13. März 1943 wurde er am Münchner Güterbahnhof in einen Viehwaggon gedrängt und ins KZ Auschwitz deportiert. Der Transport dauerte mehrere Tage.

Julius Kohns genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Aufgrund seines Alters dürfte er sofort nach seiner Ankunft in der Gaskammer ermordet worden sein.

Nach oben

 

Linner, Maria

Maria Linner, am 22. Februar 1899 in Dachau unehelich geboren, lebte mit ihrer Familie in der Herbststraße.

Mit 13 Jahren verletzte sie sich am Fuß, durch eine Entzündung kam es zu einer Vereiterung in beiden Ohren und sie wurde schwerhörig. Nach dem Schulbesuch hielt sie sich in der Taubstummenanstalt Hohenwart auf. Dort zur Näherin ausgebildet, arbeitete sie während des 1. Weltkrieges zeitweise im Haushalt ihrer Schwester. 1918 in der Pulver- und Munitionsfabrik und dann wieder als Dienstmädchen beschäftigt, verschlimmerte sich in dieser Zeit ihre Hörminderung. Schließlich wurde sie taub. Im Dezember 1934 wohnte sie im Bürgerspital, einem Haus für unterstützungsbedürftige Menschen in Dachau. Sie entwickelte Ängste und beklagte Diebstähle und vermeintliche Unterschlagungen. 1935 wurde sie wegen „Verfolgungswahn“ in verschiedene psychiatrische Anstalten eingewiesen. Die Ärzte stellten fest, dass ihre Verfolgungsideen als nicht krankhaft einzuordnen seien. Sie hoffte auf Entlassung. Dazu kam es nicht. Am 7. November 1940 wurde sie nach Linz und von dort in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim gebracht. Im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms erstickte sie in der dortigen Gaskammer entweder am 7. November 1940 oder einige Tage später.

Nach oben

Dr. Gilde, Samuel

Der ledige, am 8. Januar 1874 in Kaunas/Litauen geborene, Dr. med. Samuel Gilde musste wegen des Berufsverbotes der Nationalsozialisten gegen jüdische Ärzte seine gutgehende Praxis in München aufgeben. Ab 1. November 1938 war er als Untermieter im Haus des jüdischen Schriftstellers Hermann Gottschalk in Dachau-Augustenfeld gemeldet.

Bereits am 10. November 1938 floh er nach der Pogromnacht aus Dachau.

Er wurde verhaftet und am 12. November ins KZ Dachau gebracht. Anfang Dezember 1938 entlassen, versuchte er vergeblich, in die USA auszuwandern. Zuletzt besaß der ehemals erfolgreiche Facharzt für Haut- und Harnleiden nur noch eine Schlafstelle in der Heimanlage für Juden in Berg am Laim (München). Mit 68 Jahren wurde er 1942 in der Flachsröste Lohof zur Zwangsarbeit verpflichtet, dann ins Ghetto Theresienstadt deportiert und am 30. Juni 1944 dort ermordet.

Nach oben

Jaffe, Alice

Alice Jaffé, geb. Portner, wurde am 30. April 1875 in eine jüdische Warschauer Bankiersfamilie geboren. Nach dem Tod ihres Mannes, eines Berliner Holzgroßhändlers, folgte sie ihrer Tochter Johanna im Jahr 1932 nach Dachau.

Diese arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Privatsekretärin des Künstlerehepaars Petersen in der Großen Moosschwaige in Augustenfeld. 1937 verzog Alice Jaffé nach München. Während der Ereignisse der Reichspogromnacht war sie in der „Heimanlage für Juden“ in Berg am Laim untergebracht.

Die 67-Jährige wurde am 17. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Mai 1944 stand ihr Name auf der Transportliste ins KZ Auschwitz, wo sie am 11. oder 12. Juli 1944 in der Gaskammer ermordet wurde.

Nach oben

Neumeyer, Hans

Hans Neumeyer wurde am 13. September 1887 in München geboren. Die jüdischen Eltern führten ein Bekleidungsgeschäft in der Sendlinger Straße.

Mit 14 Jahren erblindete er vollständig. Nach einem Studium der Musik wurde er Mitbegründer einer Musikschule. U. a. wirkte er auch als Dozent für Akustik und Improvisation in Hellerauf bei Dresden. Dort lernte er Vera Ephraim kennen. Nach der Heirat im Juli 1920 zog er mit ihr nach Dachau. Die Kinder Ruth und Raimund wurden 1923 bzw. 1924 geboren.

Ab 1933 wurde er mit Berufsverbot belegt und durfte nicht mehr unterrichten. Die Ereignisse der Reichspogromnacht am 8./9. November 1938 erlebte Hans Neumeyer in Berlin, wo er sich im Flötenbau unterweisen ließ.

Nach der Vertreibung aus Dachau kam er in München unter. Mehrfache Wohnungswechsel belasteten die Familie.

Am 11. Mai 1939 gelangten die Kinder mit einem Kindertransport nach England. Am 4. Juni 1942 erscheint der Name Hans Neumeyers auf einer Transportliste ins Ghetto Theresienstadt. Er unterrichtete dort weiter Musik und erkrankte Ende 1943 an Tuberkulose.

Hans Neumeyer verstarb am 19. Mai 1944 an den Folgen seiner Erkrankung.

Nach oben

Neumeyer, Vera

Vera Neumeyer wurde am 3. September 1893 als jüngstes von vier Kindern des Ehepaars Martin und Hildegard Ephraim in Görlitz in eine gutsituierte jüdische Kaufmannsfamilie geboren.

Wie die Mutter wurde auch Vera evangelisch getauft. In Hellerauf bei Dresden studierte sie rhythmische Gymnastik und lernte den Dozenten Hans Neumeyer kennen. Sie heirateten und zogen nach Dachau in die damalige Hindenburgstraße.

Vera gab den Damen der Dachauer Künstlergesellschaft Unterricht in Tanz und Gymnastikstunden. 1923 gebar sie ihre Tochter Ruth und im Jahr darauf ihren Sohn Raimund. Gerade von einem Italienurlaub bei ihrer Schwester zurückgekehrt, erreichte sie in der Nacht vom 8./9. November 1938 die Aufforderung durch SA-Männer, vor Sonnenaufgang die Stadt zu verlassen.

Sie kam in München bei einer ehemaligen Schülerin ihres Mannes unter. Es folgten mehrere Wohnungswechsel. Durch Sprachunterricht verdiente sie ihren Unterhalt. Danach wurde sie zur Zwangsarbeit in einer Gärtnerei verpflichtet. Sie hielt bis Kriegsbeginn Briefkontakt zu ihren nach England geschickten Kindern. Versuche, ebenfalls dorthin auszuwandern, missglückten.

Am 13. Juli 1942 schrieb sie an ihre Familie, dass sie mit dem Zug nach Osten fahre. Vermutlich wurde sie ins KZ Majdanek deportiert und dort ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Nach oben

Pflügler, Johann

Johann Pflügler wurde am 30. September 1909 in Niederroth geboren. Ab 1912 lebte er mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern auf einem kleinen landwirtschaftlichen Anwesen in der Schleißheimer Straße. Der Vater musste sich ein Zubrot in der Feinpappenfabrik Schuster verdienen. Johann wollte eigentlich Schuhmacher werden. Die Familie konnte das Lehrgeld nicht aufbringen und er lernte daher bei Kraus-Maffei in Allach den Beruf des Formers. Später arbeitete er als Vorarbeiter in dieser Firma. In den wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahren war er zeitweise arbeitslos.

Er nahm an politischen Kundgebungen teil und sympathisierte mit der kommunistischen Bewegung. Hans, wie er genannt wurde, war verheiratet und Vater von vier Kindern, wobei das vierte erst einen Monat nach seiner Ermordung zur Welt kam. Bei der Verhaftungswelle gegen politisch Andersdenkende wurde er im April 1933 festgenommen und wegen seiner Kontakte zu Kommunisten acht Wochen im Amtsgerichtsgefängnis Dachau inhaftiert.

Seine Arbeitsstelle in einem wichtigen Rüstungsbetrieb bewahrte Hans Pflügler vor dem Kriegsdienst.

Am 28. April 1945 kam er mit weiteren Dachauern dem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern nach und die Gruppe besetzte das Rathaus, um eine Verteidigung der Stadt zu verhindern. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und Johann Pflügler von der SS am 28. April 1945 erschossen.

Nach oben

Vettermann, Albert

Der am 19. Dezember 1900 unehelich geborene Albert Vettermann wurde neunjährig, nachdem er bei der Großmutter gelebt hatte, von seinem leiblichen Vater als eheliches Kind anerkannt. Nach dem Schulbesuch begann er eine Kaufmannslehre. Der Vater diente 1915 als Feldwebel im 1. Weltkrieg. Albert musste die Lehre abbrechen und der Stiefmutter im Geschäft helfen.

1918 meldete er sich zum Kriegseinsatz und kämpfte zwei Monate in Frankreich. Nach seiner Rückkehr arbeitete er erst im elterlichen Betrieb, dann bis 1927 in einer Margarinefabrik in Chemnitz. Nach langer Arbeitslosigkeit fand er im Sommer 1937 eine Beschäftigung beim Bau der Reichsautobahn und zog nach Wiedenzhausen. Im Oktober 1937 wurde er dort wegen Verführung eines Minderjährigen (§175) verhaftet und zu einem Jahr und neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Seine Haftzeit wurde nachträglich auf zwei Jahre und 3 Monate verlängert. 

Im März 1940 trat er eine Arbeitsstelle bei der Firma Schuster in Dachau an. Kurz danach stand er, auf Anweisung der Kriminalpolizeileitstelle München, unter Überwachung. Im November 1940 wurde er zur „Vorbeugung vor neuen Straftaten“ als „Polizeilicher Sicherheitsverwahrungs-Häftling“ ins KZ Dachau gebracht.

1941 überstellte man Albert Vettermann in das KZ Ravensbrück und am 25. März 1942 wurde er, wohl als nicht mehr arbeitsfähig erachtet, in der Tötungsanstalt Bernburg/Saale ermordet.

Nach oben

Wallach, Max

Bronze-Skulptur zweier Frauen in Dachauer Tracht, eine stehend, eine sitzend.
Skulptur zur Erinnerung an die Wallachwerke: Trachtenpaar von Gertrude Rudert, Foto: Stadt Dachau

Max Wallach, geboren am 9. Oktober 1875, kam 1920 nach Dachau. Auf Bitten seiner Familie übernahm er, nach langem Aufenthalt im Ausland, die Betriebsleitung der neu eröffneten Weberei und Stoffdruckerei in Dachau.

Sie belieferte das Volkskunsthaus Wallach in München. Er heiratete Melitta Holländer. 1924 kam ihr Sohn Franz auf die Welt. Am 1. August 1938 zwangen die Nationalsozialisten die Familie Wallach das Geschäft in München und das Werk in Dachau weit unter Preis zu verkaufen.

Stoffmuster "gelbe Bauernrose" der Wallach
Wallach-Stoffdruck, Motiv "Gelbe Bauernrose", Foto: Stadt Dachau

In der Pogromnacht im November 1938 wurde Max Wallach, wie weitere Dachauer Bürger jüdischen Glaubens, durch SA-Männer aufgefordert die Stadt vor Sonnenaufgang zu verlassen. Nach verschiedenen Stationen lebte er ab 1939 mit seiner Frau Melitta in Paderborn. Von dort wurde er im Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert.

Am 28.Oktober 1944 erschien sein Name auf einer Transportliste ins KZ Auschwitz. Nach seiner Ankunft am 30. Oktober 1944 wurde der 69-Jährige, angesichts seines Alters, mit Sicherheit sofort in der Gaskammer ermordet. 

Nach oben

Wallach, Melitta

Die am 8. Januar 1894 in Darmstadt geborene Melitta Holländer, Tochter des jüdischen Arztes Julius Holländer und seiner Frau Emilie, arbeitete Anfang der 1920er Jahre im „Volkskunsthaus Wallach“ in München. Sie lernte Max Wallach kennen, heiratete ihn und zog 1923 nach Dachau. 1924 wurde ihr Sohn Franz geboren. Wie ihr Mann, wurde auch sie in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1938 aufgefordert die Stadt Dachau zu verlassen. Nach verschiedenen Unterkünften zog sie mit ihrer Familie nach Paderborn und lebte dort mit ihrer Mutter. Einen Monat vor Kriegsbeginn – im August 1939 – gelang ihrem Sohn Franz mit einem Kindertransport die Auswanderung nach England.

Sie hoffte mit ihrem Mann vergeblich auf ein Visum für die USA, wo bereits ein Großteil der Familie Wallach lebte. Im Juli 1942 wurden Melitta und Max ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Auf einer Transportliste vom 28. Oktober 1944 finden sich ihre Namen. Nach der Ankunft im KZ Auschwitz am 30. Oktober 1944 wurde sie angesichts ihres Alters mit Sicherheit in der Gaskammer ermordet.

Nach oben

Wildmoser, Therese

Die am 27. März 1910 unehelich geborene Tochter einer Dienstmagd lebte in ärmlichen Verhältnissen.

Lernschwach wurde sie mit sieben Jahren in eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung gebracht. Laut Bericht lernte sie dort Lesen und Schreiben und half bei einfachen Hausarbeiten. Sie litt an zeitweise auftretenden Krampfanfällen und wurde daraufhin in die Pflegeanstalt Taufkirchen an der Vils eingewiesen.

1929 holte der Stiefvater sie zurück nach Dachau. Therese lebte mit neun Stiefgeschwistern am Karlsberg, später in der Benediktenwandstraße. Am 1. November 1938 wurde sie erneut in die katholische Pflegeanstalt Taufkirchen aufgenommen. Von dort kam sie im Oktober 1940 in die staatliche Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Im Rahmen der „Aktion T 4“ sonderten Ärzte als nicht arbeitsfähig geltende Patienten aus und veranlassten Transporte in Tötungsanstalten.

Therese Wildmoser wurde am 25. Februar 1941 nach Schloss Hartheim bei Linz deportiert und nach ihrer Ankunft in der dortigen Gaskammer ermordet.

Nach oben

Text und Recherche Frau Brigitte Fiedler, Gästeführerin der Stadt Dachau